„Marathon“ 2017 Stuttgart (Schauspiel Nord)

„Marathon“

is a piece performance, which was composed for a project „Galateas“ by Justyna Koeke in Stuttgart Schauspiel Nord (direction and music – me) and performed by me.
For „Marathon“ I spent half a year researching prostitution in Germany.

The topic of the exploitation of prostitutes interested me personally, because I myself was exposed to psychological and sexual violence.
This project, has served the processing of my own private life and my unconscious self-exploitation, and sexual humiliation.

In the Stuttgarter Nachrichten on 16.05.2017, Sabine Schwieder, wrote the following article about the project and the performance:



Performance at Schauspiel Nord Art action for prostitutes who want to get out.

The reward goes to others: Performance by Teresa Grebtschenko Photo: Sabine Schwieder




A crowdfunding campaign to support prostitutes who want to leave the milieu has begun with a performance entitled „Galateas“ at Schauspiel Nord.

Downtown – Women who want to leave prostitution initially fall into a hole in the welfare state of Germany. If they are not registered, they receive no social benefits for three months. To draw attention to this problem, cultural workers from the Stuttgart area have joined forces. With a series of events under the title „Galateas“ they want to support the Caritas Association in these weeks. With its café „La Strada“, the organization not only provides a contact point for prostitutes, but also an apartment for women who want to leave the business. A crowdfunding campaign is to contribute to their living costs. The initiator of the project is Ludwigsburg artist Justyna Koeke. She is a member of the Gästezimmer art association, which volunteered to co-host a performance at Schauspiel Nord that kicked off the six-week Galateas fundraising campaign.

Art objects come to life
The audience was greeted by a semi-dark room in which apparent art objects made of fabric, clothes or feathers were spread out. When opera singers Caterina Berzé and Josefin Feiler began to sing, these art objects turned out to be people: students of the figure theater course at the University of Music and Performing Arts moved to the music and made the seemingly lifeless things come alive. They became women who flaunted themselves, showing off their bodies, sometimes under torturous conditions.
That was already very impressive. But the audience was completely fascinated when the performance artist Teresa Grebtschenko presented the work of a prostitute with „Marathon“ on a couch with strange musical instruments. Their earnings were blown into the air at the end with the help of a fan: others profit from forced prostitution, not the women themselves.


Liberalization causes great hardship

Equally impressive, Sabine Constabel and Monika Barz from the „Sisters“ association explained why prostitution should be outlawed. The association supports women in Germany who want to leave prostitution. The majority of those affected, they explained, come from Eastern Europe and do not prostitute themselves voluntarily. Since liberalization in 2001, which was originally intended to provide more protection, competition among brothel operators has grown. They advertise flat rates and increasingly expose the women to physical and psychological violence.
Unagitated, matter-of-fact and completely convincing, Sabine Constabel and Monika Barz promoted the so-called Nordic Model: women who go to the whorehouse remain unpunished, but the purchase of sex is prohibited. They even described the Prostitutes Act, which comes into force in July, as inadequate. For example, it was not possible to raise the age of consent to 21, but most of the women concerned are between 17 and 22 years old. Nor had they been able to achieve protection for pregnant women, who are considered a special attraction.

„Red light off“
„Red light off“ by banning sex purchases seems to be the only way to protect those affected. The objection from the audience that this would deprive women who work freely and self-determined as prostitutes, was contradicted by the experts from „Sisters“. „Their number is small. But the collateral damage is too great,“ Sabine Constabel made clear. Terms such as „wellness oasis for men“ or „sex workers“ obscured the everyday plight of forced prostitutes.
The twowomen reported on young men who visit a brothel together after school and experience their „first time“ there. „They don’t learn how sexuality works in a partnership relationship. This is not good for the men, but also not good for society,“ said Monika Barz.

„Marathon“ ist eine Stückperformance, was für einen Projekt „Galateas“ von Justyna Koeke in Stuttgarter Schauspiel Nord (Regie und Musik – ich) komponiert und von mir aufgeführt wurde.

Für „Marathon“ habe ich ein halbes Jahr, über Prostitution in Deutschland recherchiert.

Die Thematik der Ausbeutung von Prostituierten hat mich persönlich interessiert, da ich selber der psychischer und sexueller Gewalt ausgesetzt war.

Dieses Projekt, hat der Verarbeitung eigener Privatleben und meiner unbewussten Selbstausbeutung, und sexueller Erniedrigung gedient.

Inder Stuttgarter Nachrichten am 16.05.2017, schrieb Sabine Schwieder, über das Projekt und die Performance folgendes Artikel:

Performance im Schauspiel Nord Kunstaktion für ausstiegswillige Prostituierte

Der Lohn geht an andere: Performance von Teresa Grebtschenko Foto: Sabine Schwieder

Mit einer Performance unter dem Titel „Galateas“ im Schauspiel Nord hat eine Crowdfunding-Aktion zur Unterstützung von Prostituierten begonnen, die aus dem Milieu aussteigen wollen.

Innenstadt – Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen, fallen im Sozialstaat Deutschland zunächst einmal in ein Loch. Sind sie nicht gemeldet, erhalten sie drei Monate lang keine Sozialleistungen. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, haben sich Kulturschaffende aus dem Raum Stuttgart zusammengetan. Mit einer Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel „Galateas“ wollen sie in diesen Wochen den Caritasverband unterstützen. Dieser hält mit dem Café „La Strada“ nicht nur eine Anlaufstelle für Prostituierte, sondern auch eine Wohnung für ausstiegswillige Frauen bereit. Eine Crowdfunding-Kampagne soll zu deren Lebenshaltungskosten beitragen. Initiatorin des Projekts ist die Ludwigsburger Künstlerin Justyna Koeke. Sie ist Mitglied im Kunstverein Gästezimmer, der sich als Mitveranstalter für eine Performance im Schauspiel Nord zur Verfügung gestellt hat, mit der die sechswöchige Galateas-Spendenaktion begonnen hat.

Kunstobjekte werden lebendig

Die Zuschauer erwartete ein halbdunkler Raum, in dem scheinbare Kunstobjekte aus Stoff, Kleidern oder Federn verteilt waren. Als die Opernsängerinnen Caterina Berzé und Josefin Feiler zu singen begannen, erwiesen sich diese Kunstobjekte als Menschen: Studierende des Studiengangs Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bewegten sich zur Musik und ließen die scheinbar leblosen Dinge lebendig werden. Sie wurden zu Frauen, die sich anpriesen, ihren Körper zum Teil unter qualvollen Bedingungen zur Schau stellten.

Das war schon sehr beeindruckend. Vollends fasziniert aber war das Publikum, als die Performance-Künstlerin Teresa Grebtschenko mit „Marathon“ auf einer Liege mit seltsamen Musikinstrumenten die Arbeit einer Prostituierten darstellte. Deren Verdienst wurde am Schluss mit Hilfe eines Ventilators in die Luft geblasen: von Zwangsprostitution profitieren andere, nicht die Frauen selbst.

Liberalisierung sorgt für große Not

Ebenso beeindruckend legten Sabine Constabel und Monika Barz vom Verein „Sisters“ dar, weshalb Prostitution geächtet werden sollte. Der Verein unterstützt aussteigewillige Frauen in Deutschland. Der Großteil der Betroffenen, so erklärten sie, kommt aus Osteuropa und prostituiert sich nicht freiwillig. Seit der Liberalisierung im Jahr 2001, die ursprünglich für mehr Schutz sorgen sollte, ist die Konkurrenz unter den Bordellbetreibern größer geworden. Sie werben mit Flatrates und setzen die Frauen vermehrt physischer und psychischer Gewalt aus.

Unaufgeregt, sachlich und vollkommen überzeugend warben Sabine Constabel und Monika Barz für das sogenannte Nordische Modell: Frauen, die auf den Strich gehen, bleiben straffrei, aber der Kauf von Sex ist verboten. Selbst das im Juli in Kraft tretende Prostituiertengesetz bezeichneten sie als unzureichend. So sei es nicht gelungen, das Schutzalter auf 21 zu erhöhen, die betroffenen Frauen sind aber größtenteils zwischen 17 und 22 Jahre alt. Auch habe man nicht erreichen können, dass Schwangere, die als besondere Attraktion gelten, geschützt werden.

„Rotlicht aus“

„Rotlicht aus“ durch ein Sexkaufverbot scheint die einzige Möglichkeit zu sein, die Betroffenen zu schützen. Dem Einwand aus dem Publikum, das würde Frauen, die frei und selbstbestimmt als Prostituierte arbeiten, die Grundlage entziehen, widersprachen die Fachfrauen von „Sisters“. „Deren Zahl ist gering. Der Kollateralschaden ist aber zu groß“, machte Sabine Constabel deutlich. Begriffe wie „Wellness-Oase für den Mann“ oder „Sexarbeiterinnen“ verschleierten die alltägliche Not von Zwangsprostituierten.

Die beidenFrauen berichteten von jungen Männern, die nach der Schule gemeinsam ein Bordell besuchen und dort ihr „erstes Mal“ erleben. „Sie lernen nicht, wie Sexualität in einer partnerschaftlichen Beziehung funktioniert. Das tut den Männern nicht gut, aber auch nicht der Gesellschaft“, sagte Monika Barz.