„AUE“

„Aue“ für Orgel, einen Organisten und das interaktive Publikum.

„Aue“ for organ, organists and interactive audience

Auftragskomposition in Rahmen des Projekts „Gegenklang“ zum Orgeljahr 2021

UA in Rahmen des Projekts „Gegenklang“ HfMDK Frankfurt 24.07.2021

Komposition: Teresa Grebchenko

Ogel/ Gesang: Richard Millig

„aue“ für Orgel, Organisten und interaktives singendes und spielendes Publikum

Titel

Der Titel „Aue“ weist auf das doppelte Thema des Stücks.

  1. Das Wort Aue wird in seiner Bedeutung als Biblische grüne Aue betrachtet: „Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ (Ps, 23,1)
  2. Das Wort wird als Zusammensetzung der drei Vokalen a, u, e betrachtet. Die verschiedenen Rollen der Vokale und Konsonanten werden in dem Stück künstlerisch untersucht. Die verschiedene Übertagung der emotionalen und kognitiven Inhalte durch Wörter die aus Vokalen und Konsonanten kommuniziert werden, dient der Reflexion, über die Selbstreflexion die menschliche Psyche, mit seiner Emotionalität und Rationalität.

„Aue“ for organ, an organist and the interactive audience.
Commissioned composition as part of the project „Gegenklang“ for the organ year 2021.
Title
The title „Aue“ points to the double theme of the piece.
1. the word Aue is considered in its meaning as Biblical green meadow:
„The LORD is my shepherd; I shall not want. He feedeth me in green pastures, and leadeth me beside the still waters.“ (Ps, 23:1)
2. the word is considered as a composition of the three vowels a, u, e.
The different roles of the vowels and consonants are artistically explored in the piece. The different transmission of emotional and cognitive content through words communicated from vowels and consonants serves the reflection, on the self-reflection the human psyche, with its emotionality and rationality.


Kompositionsauftrag

Ich gehe davon aus dass, jedes Instrument in seinem historischen, symbolischen und sozialen Kontext steht, der bei einer Komposition, immer bewusst in Betracht genommen werden muss.

Der Komponist:in entscheidet bei dem Umgang mit dem Instrument, was mit der Begebenheit zu machen ist. Ich entschied mich, den Kontext des Instruments möglich ganzheitlich und vielgesichtig zu betrachten und als Kern meiner zu verwenden.

Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen ungelogen sprechen, daher bemühe ich mich, die eigene wahrhafte künstlerische Realität zu erschaffen und den Rezipienten, in meine Welt einzuladen und meinen Kontext der Orgel erfahrbar zu machen.

Die subjektive Kunst, die eine konkrete Wahrheit der Künstler darstellt, sehe ich oft als viel neutraler und für „jeden“ zugänglicher, als die, die sich bemüht objektiv zu sein und mit Stimme anderer zu sprechen und Augen anderer zu sehen.

Daher jeder ist eingeladen in meinem bis in tiefste persönlichen Stück, eigene Erfahrungen zu machen.

Für mich ist die Orgel noch stärker als andere Instrumente mit einem sehr bestimmten Assoziationsfeld geladen. In der Geschichte wurde die Orgel zum Status- und Machtsymbol der Kirche, und bis jetzt ist sie hauptsächlich mit den christlichen Kirchen und den physikalischen Räumen der Kirchen verbunden.

Ich wage es zu behaupten, dass die Orgel durch die Kirche als wunderbare, größte und mächtigste Instrumenten verwendet wurde zur Vergegenwärtigung himmlischer Engelschöre und Manipulation der Seelen der menschlichen Schäfchen.

Mein Großvater, Straßenbahnfahrer in Polen, spielte in der Kirche die Orgel und führte die Gemeinde mit seinem Gesang durch die Gebete. Vielleicht deswegen sehe ich die Orgel viel mehr als Straßenbahn, die Menschenseele auf eine Fahrt zu seinem Gott mitnimmt, als Konzertinstrument.

Das Phänomen des Gefühls, was das Singen in der Gemeinde mit Orgelbegleitung auslöst, hat mich schon immer fasziniert. In einer mit Orgelklang erfüllten Kirche, fühlt sich der Mensch, oder besser gesagt, fühlte ich mich immer wie ein kleines Kind. Ein winzig kleines Individuum, was von Kirche, dem Hausbesitzer und dem Klang der Orgel getragen wird. Wenn die Orgel erklingt, darf man singen wie man möchte, man braucht keine Angst zu haben, dass man es nicht gut genug machen kann, oder dass man von anderen gehört wird, da die laute Orgel den akustischen Raum, für das laute gemeinsame befreiende Singen schafft.

Es ist egal welche Inhalte man singt, das Singen selbst bietet große körperliche und seelische Befriedigung.

Dieses Gefühl des Getragenwerden und Freude am Gesang versuchte ich in meinem Stück zu erzeugen.

Wenn ich ein Stück schreibe, frage ich mich nicht nur wer und auf was es spielen wird, sondern auch wer es zuhören wird. Es bedeutet jedoch nicht, dass ich mich anpasse oder weniger persönlich zu sein versuche , sondern dass ich die möglichen Reaktionen in das Kompositorische Prozess einbeziehe.

Es ist wichtig noch zu klären, dass ich das Persönliche sehr stark von dem Privaten trenne. Kunst soll in meinen Augen immer persönlich und gleichzeitig öffentlich sein, sonst wirkt sie als Akt der Entblößung und Exhibitionismus, der für niemanden außer den Kunstproduzent:in oder anderen Exhibitionist:in relevant sein kann.

Ich habe mir als Ziel gesetzt, dem eher säkularen „Neue Musik“ Publikum, das Erlebnis einer Anbetung und Anteilnahme in einem religiösen Ritual zu ermöglichen und durch das Mitmachen zur Reflexion dessen anzuregen. Daher habe ich beschlossen, den „Raum“ einer Kirche in einen Konzertsaal zu bringen, in dem ich die Funktion der Orgel in religiöser Funktion präsentierte.

Composition commission
I assume that each instrument stands in its historical, symbolic and social context, which must always be consciously taken into consideration in a composition.
The composer:in decides in the handling of the instrument, what is to be done with the event. I decided to consider the context of the instrument as holistically and multifaceted as possible and to use it as the core of mine.
I can only speak from my own experience untruthfully, so I strive to create my own true artistic reality and invite the recipient to enter my world and experience my context of the organ.
The subjective art, which represents a concrete truth of the artists, I often see as much more neutral and accessible to „everyone“ than that which strives to be objective and speak with voice of others and see eyes of others.
Therefore, everyone is invited in my to the deepest personal piece, to make their own experiences.
For me, the organ is loaded even more than other instruments with a very specific field of association. In the history the organ became the status and power symbol of the church, and until now it is mainly associated with the Christian churches and the physical spaces of the churches.
I dare to say that the organ was used by the church as a wonderful, biggest and most powerful instrument for visualization of heavenly angelic choirs and manipulation of souls of human flocks.
My grandfather, a streetcar driver in Poland, played the organ in church and led the congregation through the prayers with his singing. Perhaps that is why I see the organ much more as a tramway, taking human souls on a ride to his God, as a concert instrument.
I have always been fascinated by the phenomenon of feeling what singing in the congregation with organ accompaniment triggers. In a church filled with organ sound, a person, or rather, I always felt like a little child. A tiny little individual, which is carried by the church, the owner of the house and the sound of the organ. When the organ sounds, one may sing as one likes, one need not fear that one cannot do it well enough, or that one will be heard by others, since the loud organ creates the acoustic space, for the loud common liberating singing.
It doesn’t matter what content you sing, the singing itself provides great physical and emotional satisfaction.

This feeling of being carried and enjoying singing is what I tried to create in my piece.
When I write a piece, I ask myself not only who will play it and on what, but also who will listen to it. However, it does not mean that I adapt or try to be less personal , but that I include the possible reactions in the compositional process.
It is still important to clarify that I very much separate the personal from the private. Art in my eyes should always be personal and at the same time public, otherwise it acts as an act of exposure and exhibitionism that cannot be relevant to anyone except the art producer:in or other exhibitionist:in.
I have set myself the goal of enabling the rather secular „New Music“ audience to experience worship and participation in a religious ritual, and to encourage reflection on this through participation. Therefore, I decided to bring the „space“ of a church into a concert hall, where I presented the function of the organ in a religious function.


Für die Komposition konzentrierte ich mich auf folgenden Annahmen:

  • Der Mensch, in seinem Wesen, von Natur aus glaubt.  Der Glaube ist allgegenwärtig, und es ist egal, ob es Glaube an Existenz Gottes, an Nichtexistenz Gottes, an Elfen, Kraft des positiven Denkens, Armageddon, Gesunde Ernährung, Versicherung, Humanismus, Geldanlage, Rente, Verschwörungstheorie, Dokumentarfilm, Gesellschaftssystem, Recht oder Moral, ist.
  • Nach C.G.Jung ist Gott ein Archetypus. Es geht nicht um den Gott z.B. der Christen, sondern vielmehr das Göttliche in uns, das geheimnisvolle Etwas, in jedem Menschen, das wir nicht greifen und nicht fassen können. Religion wird durch Jung verstanden, als die Einstellung der menschlichen Psyche gegenüber dem Göttlichen und Heiligen, das in der Tiefe der menschlichen Seele zu finden ist. Dabei ist es nicht relevant, ob es einen Gott tatsächlich außerhalb der menschlichen Psyche existiert. Als Phänomen kann niemand die Existenz Gottes leugnen. Er handelt durch die Menschen sowohl im Guten als im Bösen. (z.B. christliche Hilfeeinrichtungen und Glaubenskriege)
  • Die Menschen als soziale Wesen, fühlen sich wohl und sicher in einer Herde, auch wenn sie in einen Abgrund stützt, gehen sie meistens lieber gemeinsam in den Tod, Körper am Körper, nur den Rücken den Anderen und des Hirten sehend, als ungeliebt und einzeln in die Gegenrichtung. Das menschliche Gehirn ist so konstruiert, dass es Anstrengung (Verbrauch der Glukose) vermeidet. Es ist daher bequemer und natürlicher nicht zu denken, sondern sich einer Herde oder einem Hirten anzuschließen (Bücher dazu: Daniel Kahneman – „schnelles Denken, langsames Denken“, Norina Hertz – „Eyes Wide Open“)

In dem Stück greife ich zwei Bilder einer Aue und das  „Schafsein“ in religiöser und sozialer Sinne auf:

  1. Das Erste Bild, ist die große Schafsherde, die in den grünen Auen der Täler weiden und dem Hirten hinterherlaufen. Den Schafen, die von Hunden bewacht und dreimal pro Tag zum Melken getrieben werden.  Die Schafe, die Befreiung von Verantwortung, Mut und Entscheidungsleiden gegen die Milch, Käse, eigenes Fleisch und Wolle kaufen, sind zufrieden, und wie Kinder abhängig. Sie könne sich nicht wären, könnten ohne den Hirten und den Hunden als Herde in den Abgrund fallen und von wilden Tieren einfache Beute werden.
  2. Das zweite Bild sind Schafe solo, Schafs-duos, -trios, und -quartetts, die auf den grünen Auen der norwegischen Berge frei weiden und die Berge mit einem akustischen „dolby surround“ des Glockengeklimpers beschallen. Diese Schafe brauchen keinen Hirten und keine Hunde, da sie alleine überleben können und Strategien gegen die Gefahren entwickelten. Einziger Eingriff des Menschen liegt daran, dass er dem Schaf an den Hals eine Glocke gehängt hat, um sie zu finden, wenn er Wolle sammeln möchte.

For the composition I focused on the following assumptions:
Man, in his essence, inherently believes.  The belief is omnipresent, and it does not matter whether it is belief in existence of God, in non-existence of God, in elves, power of positive thinking, Armageddon, healthy food, insurance, humanism, investment, pension, conspiracy theory, documentary, social system, law or morality.
According to C.G.Jung, God is an archetype. It is not about the God of e.g. the Christians, but rather the divine in us, the mysterious something, in every human being, which we cannot grasp and cannot grasp. Religion is understood by Jung as the attitude of the human psyche toward the divine and sacred that is found in the depth of the human soul. It is not relevant whether a God actually exists outside the human psyche. As a phenomenon, no one can deny the existence of God. He acts through human beings both in good and evil. (e.g., Christian charities and religious wars).
Humans as social beings, feel comfortable and safe in a herd, even if it supports into an abyss, they usually prefer to go to death together, body to body, seeing only the back of the other and the shepherd, than unloved and individually in the opposite direction. The human brain is constructed in such a way that it avoids effort (consumption of glucose). Therefore, it is more convenient and natural not to think, but to join a herd or a shepherd (books on this: Daniel Kahneman – „fast thinking, slow thinking“, Norina Hertz – „Eyes Wide Open“).

In the piece I take up two images of a floodplain and „being a sheep“ in religious and social sense:
1. the First image, is the large flock of sheep grazing in the green meadows of the valleys, following the shepherd. The sheep, guarded by dogs and driven to milking three times a day.  The sheep, liberated from responsibility, courage and decision suffering in exchange for buying milk, cheese, their own meat and wool, are content, and like children dependent. They could not be, could fall into the abyss without the shepherd and the dogs as a flock and become easy prey for wild animals.
2. the second picture is sheep solo, sheep duos, trios, and quartets, grazing freely on the green meadows of the Norwegian mountains and sounding the mountains with an acoustic „dolby surround“ of bells jingling. These sheep do not need a shepherd and dogs, because they can survive alone and developed strategies against the dangers. The only intervention of man is that he hung a bell on the neck of the sheep to find them when he wants to collect wool.


„Aue“ – ein interaktives Erlebnisstück

Ich habe das Stück „Aue“ als ein partizipatives Stück zum Erleben komponiert. Das Werk bietet ein Vorwand, um eine Situation zu erschaffen, die mehr an interaktives Theater, als an Konzertstück erinnert.

Beim Einlas zu dem Konzertsaal bekommt jeder und jede vom Publikum sowohl ein Mitsingblatt, mit Noten, Text und Erläuterungen als auch ein Papierbeutel mit einer Glocke.

In den ersten 10 Minuten des Stücks, befindet sich das Publikum in einem meditativen Klangraum. Die wechselnden Vokalen, Obertongesang zusammen mit gehaltenen tiefsten Orgeltönen erinnern in weitesten Sinne an fernöstliche Spiritualität, der gehaltene höchste von Oberton der Stimme abgeleiteter Ton bohrt sich jedoch unangenehm in das Gehirn der Hörer, störend die wohltuende Meditation und Langweile der Permutationen.

In weiteren Verlauf des Stücks, nach der klanglichen Orgelkadenz ist das Publikum eingeladen aus dem ausgehändigten Mitsingblatt mitzusingen. Gesungen werden Permutationen der Buchstaben ABCD auf den Tönen CDEF in einem Dreiviertel Takt. Die 4 Töne in 3/4 Takt bilden einen wechselnden Rhythmus aus zwei Viertel- und zwei Achtelnoten. Die Permutationen führen dazu, dass jeder Takt ähnlich wie der andere und doch verschieden ist. Begleitet wird es von einem mehrstimmigen Kanon der Orgel.

Wenn die alle Permutationen ABCD durchgeführt wurden, und das Publikum sich an das Mitsingen gewöhnt hat, werden vier Wörter permutiert. Aus den einsilbigen Wörtern entstehen verschiedene Sätze wie zum Beispiel: „bin ich ein Schef“, „Schiff bin ich ein“, „ein Schuf ich bin“.

Das Publikum singt, begleitet und getragen durch den, freudebringenden Orgelklang und choralartigen Gesang des Organisten. Es entwickelt Spaß an gemeinsamen musizieren. Lautstärke und Klangspektrum des Tutti-Registers der Orgel, verhilft dem Publikum sich zu trauen ohne gehört und beurteilt zu werden zu singen. In ganzen Raum wird eine freudige Energie des gemeinsamen Musizierens spürbar.

Das ganze Stück entwickelt sich zu einem typisch für das Gemeindegesangchoral zu einem Höhepunkt im Satz „Ich bin ein Schaf“. Den jeder/ jede mitsingt, und erst kurz danach merkt, was sie oder er gerade gesungen hat.

Das Individuum im Publikum merkt, zu welcher Aussage es manipuliert wurde. Die Manipulationstechnik wird offenbart.

Das Publikum wird aber vor mir nicht vorgeführt und nicht in einer Sackgasse gelassen. Das letzte Teil des Stücks steht im Gegensatz zu dem Vorherigen. Das Ende wird alleine vom Publikum selbständig gespielt. Jeder und jede wird durch eine Anweisung auf dem Mitsingblatt aufgefordert, das Säckchen zu öffnen, und eine Glocke daraus zu holen. Die Anweisung lautet:

Spielen Sie ihre Glocke, die Sie in dem Säckchen bekommen haben. Versuchen Sie dabei es anders zu tun, als Ihrer Nachbarn zu tun. Das Stück endet, wenn Sie es möchten, dass es endet.

Jeder und jede im Publikum wird aufgefordert nicht „ein Schaf“ in einer Schafsherde zu sein, sondern „ein Schaf“ in den norwegischen Bergen, der eigene Entscheidungen trifft, eigene Wege geht und die Klanglandschaft mit seinem wunderbaren Glockengeläute gestaltet, zu werden.

In Konzerten, die stattgefunden haben, hat das Publikum lange und mit großem Genuss eine spannende Improvisation entwickelt. Ich empfinde die Improvisation als spannendste und schönste Moment im Stück.

Am Ende des Konzerts wurde das Publikum zum Gespräch eingeladen, in dem wir über die erlebte Phänomene diskutiert haben.

„Aue“ – Komposition

Titel – kompositorische Bedeutung

Der Titel des Stücks verbindet zwei wichtige Aspekte der Komposition. Es bedeutet zu einem die grüne Aue, auf der sich Schafe weiden, zu anderem besteht nur aus Vokalen.

Die Vokalen, da sie in ihrer Länge und Tonhöhe variabel sind, tragen meisten Ausdruck und Gefühle einer Sprache. Die Konsonanten sind in den Slawischen und wahrscheinlich allen Europäischen die, die den Inhalt, die Bedeutung eines Wortes vermitteln.

(Aus eigener Beobachtung siehe ich die Schlussfolgerung, dass die Konsonanten in mehreren slawischen Sprachen von Sprache zur Sprache bei vielen Wörtern, im Gegensatz zur Vokalen, unverändert bleiben.)

„Aue“ – composition

Title – compositional meaning
The title of the piece combines two important aspects of the composition. On the one hand it means the green meadow on which sheep graze, on the other hand it consists only of vowels.
The vowels, being variable in length and pitch, carry most of the expression and feelings of a language. The consonants, in Slavic and probably in all European languages, are the ones that convey the content, the meaning of a word.
(From my own observation I see the conclusion that the consonants in several Slavic languages remain unchanged from language to language in many words, unlike the vowels).


Form und Zahlen

Zahlen spielen für die Komposition eine wichtoge Rolle. Es ist immer von Bedeutung ob es 1, 2, 3, 4 oder 5, 7 usw vorkommt.

Im Zentrum des Stücks steht Nummer 4 , da das Werk den 4 Göttern gewidmet ist. Das immer wieder in das 4 verwickelnde 3, steht für das Konzept der „Heiligen Dreieinigkeit“ des Einens aber dreiteiligen Gottes des Christentums – der Religion, die im theologischen Sinne, sich unter anderem, gegen die „Vier Götter“ ( 4 Dämonen, da sie nur einen Gott erlaubt) richtet.

Durch das ganze Stück werden immer 4 Elemente permutiert. Oft passiert es in einem dreiteiligen Rhythmus oder Metrum, um die Statik der 4 zu vermeiden.

Das Stück besteht aus 4 Teilen:

  1. Teil I (Takt 1-70) – meditative, fernöstliche Gebet. Obertongesang auf einem Ton und stehende Klänge der Orgel in tiefsten und höchsten, manchmal kaum hörbaren Bereichen.
  1. Teil II (Takt 70-43) Orgel Solokadenz – Freie auf Flächen basierende Übergang von der fernöstlichen Stimmung in das Europäische, christliche, kirchliche Anwendung der Orgel.
  2. Teil III (Takt 74- 144) – gemeinsame Musizieren des Organisten mit dem Publikum mit der Orgelbegleitung
  3. Teil IV (Takt 145 – Ende) freie Glockenimprovisation des Publikums.


Form and numbers
Numbers play an important role in the composition. It is always significant whether it occurs 1, 2, 3, 4 or 5, 7 etc.
In the center of the piece is number 4, since the work is dedicated to the 4 gods. The 3, which is always involved in the 4, stands for the concept of the „Holy Trinity“ of the One but three-part God of Christianity – the religion which, in the theological sense, is directed, among other things, against the „Four Gods“ (4 demons, since it allows only one God).
Throughout the piece, 4 elements are always permuted. Often it happens in a three-part rhythm or meter, to avoid the static of the 4.
The piece consists of 4 parts:


1st part I (bars 1-70) – meditative, far-eastern prayer. Overtone singing on one note and standing sounds of the organ in lowest and highest, sometimes barely audible ranges.
2nd part II (bar 70-43) organ solo cadenza – free surface based transition from Far Eastern tuning to European, Christian, ecclesiastical use of the organ.
3rd part III (bar 74- 144) – joint music making of the organist with the audience with the organ accompaniment.
4th part IV (bar 145 – end) free bell improvisation of the audience.




Das erste Teil wird durch langsame, kontinuierliche und meditative Entwicklung in der Dynamik und Dichte gekennzeichnet. Der Organist singt mit Obertongesang Text eines Lobpreisung. Es werden immer wieder 4 Sätze gesungen. Für jede Gottheit ein lobender Satz.

In dem Konzept sind die Götter sehr eifersüchtig. Daher darf keiner der Vier favorisiert werden. Es heißt, dass alle Permutationen der Reihenfolgen zu vollziehen sind. Das Teil dauert, solange die Permutationen der Gebete durchlaufen.

Der Text ist jedoch nicht verständlich, da den Wörtern die Konsonanten entnommen wurden. Damit für den Zuhörer die Gebetsinhalte und Existenz der Götter verborgen bleibt.

Die Idee für den erten Teil folgt aus einer Reaktion auf die Beobachtung, dass besonders in den schwierigeren Zeiten, ähnlichen wie die, deren wir gerade Zeugen sind,  (Pandemie, Klimawandel, wirtschaftliche Krisen und Kriege) suchen Menschen nach einer Spiritualität, die für sie Kraft, Zuversicht und Sinn des Lebens vermittelt. Viele der mehr oder weniger bewussten Suchenden finden es in Communitys, Blasen, Sekten, Religionen und deren Zwischenräumen. In Zeiten der Globalisierung, die sich nur schwer und mit Mühe einer Vereinfachung und Vereinheitlichung entziehen kann, greifen Menschen gerne auf hybride religiöse Ersatze, die ganz ohne Tiefen der Theologie auskommen. Die Spiritualität wird oft zum unbewussten Ausleben des Affekts und emotionaler Regung, missbraucht.

Text des ersten Teils lautet:

u ei e u ü a e i e u u e i u u ü a u ei e e i e u u e i u e i e u u ei e u ü a u e i u u e i u u ei e u ü a e i e u a-ua a-on a-on i-yt i-yt a-ua a-on ua a-on u ü a a-ua e i e u a-a-o u ei e a-on u e i u i-y u e i u i-y u ü a a-u-a u ei e a-o e i e u a-a-o u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ei e a-o e i e u a-a-o u ü a a-ua-u e i u i-yt u e i u i-yt u e i u i-y e i e u a-a-o u ü a a-ua-u ü a a-ua-u ei e a-o u ei e a-o u e i u i y i-y a-a-o-n a-o-n a-u-a a-a-o-n i-y a-o-n a-u-a a-u-a i-y-a-o-n a-a-o-n a-o-n i-y-i-y-a-u-a a-a-o-n-n-o-a n-o-a y i a-u-a o-a-a-u-a y-i n-o-a y-i no-a no-a au-a au-a no-a y-i no- a n-o-a a-u-a y-i n-o-a i no-a no-a au-a au-a no-a y-i no- a y-i no-a no-a au-a a no-a y-i no- a au-a no-a y-i no- a n-o-a y-i n-o-a au-a n-o-a y-i au-a n-o-a y-i n-o-a au-a n-o-a au-a y-i n-o-a n-o-a u-i-e-u a-ü-u u-e-i-e e-ei-u e-ei-u u-e-i-e u-i-e-u a-ü-u a-ü-u u-e-i-e u-i-e-u e-ei-u u-e-i-e a-ü-u u-i-e-u e-ei-u



The first part is characterized by slow, continuous and meditative development in dynamics and density. The organist sings text of a praise with overtone singing. Four movements are sung over and over again. For each deity one praising sentence.
In the concept, the gods are very jealous. Therefore, none of the four may be favored. It is said that all permutations of the sequences are to be performed. The part lasts as long as the permutations of the prayers go through.
However, the text is not intelligible because the consonants have been taken from the words. So that for the listener the prayer contents and existence of the gods remains hidden.
The idea for the first part follows from a reaction to the observation that especially in the more difficult times, similar to the ones we are witnessing right now (pandemic, climate change, economic crises and wars) people are looking for a spirituality that gives them strength, confidence and meaning of life. Many of the more or less conscious seekers find it in communities, bubbles, sects, religions and their interstices. In times of globalization, which can resist simplification and standardization only with difficulty and with effort, people like to resort to hybrid religious substitutes that do without any depths of theology at all. Spirituality is often misused for the unconscious living out of affect and emotional impulse.
Text of the first part reads:
u ei e u ü a e i e u u e i u ü a u ei e i e u u u e i u e u u ü a u e i u u e i u u u ei e u u ü a e i e u a-ua a-on a-on i-yt i- yt a-ua a-on ua a-on u ü a a-ua e i e u a-a-o u ei a-on u e i u i-y u e i u i-y u ü a a-u-a u ei a-o e i e u a-a-o u ü a a-ua e i e u a- a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei a-on u e i u i- yt u ü a a-ua e i e u a-a-on u ei e a-on u e i u i-yt u ei a-o e i e u a-a-o u ü a a-ua-u e i u i-yt u e i u i-yt u e i u i-y e i e u a-a- o u ü a a-ua-u ü a a-ua-u ei e a-o u ei a-o u e i u i y i-y a-a-o-n a-o-n a-u-a a-a-o-n i-y a-o-n a-u-a a-u-a i-y-a-o-n a-a-o-n i- y-i-y-a-u-a a-a-o-n-n-o-a n-o-a y i a-u-a o-a-a-u-a y-i n-o-a y-i no-a no-a au-a au-a no-a y-i no- a n-o-a a-u-a y-i n-o-a i no-a no-a au- a au-a no-a y-i no- a y-i no-a no-a au-a a no-a y-i no- a au-a no-a y-i no- a n-o-a y-i n-o-a au-a n-o-a y-i au-a n-o-a y-i n-o-a au-a n-o- a au-a y-i n-o-a n-o-a u-i-e-u a-ü-u u-e-i-e e-ei-u e-ei-u u-e-i-e u-i-e-u a-ü-u a-ü-u u-e-i-e u-i-e-u e-ei-u u-e-i-e a-ü-u u-i-e-u e-ei-u


Das zweite Teil ist eine Solo-Kadenz der Orgel. Organist improvisiert frei in vier Klangblöcken je 20 Sekunden in Dynamik zwischen p bis pppp. Die Klänge sollen eher an elektronische Musik erinnern und ein Übergang zwischen dem ersten, farblich eher fernöstlichen Klang und dem typischen kirchlichen Orgelklang verschaffen.



The second part is a solo organ cadenza. Organist improvises freely in four sound blocks of 20 seconds each in dynamics between p to pppp. The sounds are intended to be more reminiscent of electronic music and to provide a transition between the first, more Far Eastern in color, and the typical church organ sound.


In dem dritten Teil wird das Publikum zum Mitsingen eingeladen. Die Art des Gesangs ist jetzt gewöhnlich ohne Obertönen und es soll einem kirchlichen Gemeindegesang ähneln. Der Gemeinde Klang ist zuerst noch eher gebrochen. Orgelbegleitung führt kanonisch permutierende Melodien des Gesangsparts fort und entwickelt sich, nach dem Permutationen des Gesangs verbrauch werden, zu einem vierstimmiger Kanon.

Im Text werden jetzt die Konsonanten in Form des „Beginns des Alphabets“ A Be Ce De eingeführt.

Als Erste kommt das Vokal „A“ als zweite das „Be“ (bee ist auch das laut, was in vielen Sprachen als Laut der Schafe verstanden wird) dritte und vierte C und D deuten darauf hin, dass es sich um das lateinische Alphabet handelt, der weiter fortgesetzt mit E eF Ge Ha… werden könnte.

Jeder Buchstabe ist einem Ton zugeordnet. Dadurch dass vier Töne in ein Dreiviertel Takt reinpassen müssen, erklingt bei den allen Permutationen jedes Mal eine andere Melodie und ein anderer Rhythmus.

Text zum Anfang des zweitenTeils lautet:

a be ce de | be a ce de | ce a de be | de a be ce | be a de ce | de a ce be | ce a be de | a be de ce | d be a ce | be ce a de | a ce be de | ce be a de | c be de a | de be ce a | b de a ce | a ce de be | a de be ce | be ce de a | ce de a be | de ce a be | a de ce be | ce de be a | de c be a | be de ce a |

Nach der Aufwärmungsphase des einfachen viertönigen Singens des Alphabets, wird der „richtige“ Text eingeführt. Ein aus vier einsilbigen Wörtern bestehende Satz variiert in der Bedeutung durch Durchführung verschiedener permutierender Prozesse. Zu einem rotieren die vier Wörter:„ein“ „bin“ „ich“ und „sch_f(f)“ zu anderem rotierten die Vokalen in dem einen Nomen: sch….f(f). Es entstehen Wörter wie: schaf, schef, schiff, schuf usw. Manche Wörter bekommen dabei eine direkte Bedeutung wie: Schaf, Schiff,  Schef was wie „Chef“ klingt und der Verb „Schuf“, was Präteritum des Verbs schaffen ist. (Bei dem letzten ist die Anzahl des eFs zu beachten:  Das Verb in der Gegenwart –  schaffen – mit zwei eFs und das Verb in unvollendeter Vergangenheit –  schuf  – mit nur einem eF). Das Wort „schuf“ ist wichtig in der Bedeutung des Stücks.  In meiner Psyche ruft es sofort eine Assoziation auf, nämlich den Satz aus der Bibel am Anfang des Buch Genesis (Gen 1,1): „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“

Da in der grammatischen Zeitformen des Wortes die Anzahl des  eFs variiert,  variiert sie auch in den anderen  „sch – Wörtern“ (dabei ist es noch ein Zusammenhang zu beachten, dass das „eF“ der nächste Buchstabe im Alphabett nach A Be Ce De wäre)

Text des Endes dvon zweiten Teil lautet:

bin ich schaf ein | scheff ein ich bin | ein bin ich schaff | ich bin schiff ein | ich schaff ein bin | ein schof bin ich | schaf ein bin ich | bin schuf ein ich | schaf bin ich ein | bin ich ein scheff | ich ein bin schaff | ein ich bin schiff | ein bin schaff ich | schof bin ein ich |bin schaf ich ein | ich ein schuf bin | ich bin ein schaf | bin ich ein scheff | ein ich schaff | bin schiff ich bin | ein ich schaff bin |

Das Singen der Gemeinde wird bei dem letzten Gesang durch den Organisten auf die typische volkstümliche Weise begleitet, wie die Gemeindelieder im Gottesdienst begleitet werden.

Der Satz „ich bin ein Schaf“ erklingt in dem harmonischen und dynamischen Höhepunkt.



In the third part, the audience is invited to sing along. The style of singing is now usually without overtones and it is meant to resemble a church congregational singing. The congregational sound is still rather broken at first. Organ accompaniment continues canonically permuting melodies of the chant part and, after permutations of the chant are used up, develops into a four-part canon.
In the text, consonants are now introduced in the form of the „beginning of the alphabet“ A Be Ce De.
First comes the vowel „A“ second the „Be“ (bee is also the loud, which in many languages is understood as the sound of sheep) third and fourth C and D indicate that this is the Latin alphabet, which could be continued with E eF Ge Ha….
Each letter is assigned to a tone. Because four notes have to fit into a three-quarter measure, a different melody and rhythm is heard each time in the permutations.
Text to the beginning of the second part is:
a be ce de | be a ce de | ce a de be | be a de ce | de a ce de | be a be de | be a be de ce | d be a ce | be ce a de | a ce be de | ce be a de | c be de a | de be ce a | b de a ce | a de a ce | be ce de a | ce de a be | a de ce be | de ce be a | de c be a | de c be a | be de ce a |
After the warm-up phase of simply singing the alphabet in four tones, the „correct“ text is introduced. A sentence consisting of four monosyllabic words varies in meaning by performing various permutative processes. One rotates the four words: „a“ „am“ „I“ and „sh_f(f)“ another rotates the vowels in the one noun: sh….f(f). Words like: schaf, schef, schiff, schuf etc. are created. Some words get a direct meaning like: sheep, ship, schef which sounds like „boss“ and the verb „schuf“ which is preterite of the verb create. (In the last one, note the number of eFs:  The verb in the present tense – create – with two eFs, and the verb in the unfinished past tense – schuf – with only one eF). The word „created“ is important in the meaning of the piece.  In my psyche, it immediately calls up an association, namely the phrase from the Bible at the beginning of the Book of Genesis (Gen 1:1), „In the beginning God created the heavens and the earth.“
Since in the grammatical tenses of the word the number of the eF varies, it varies also in the other „sh – words“ (it is still a context to note that the „eF“ would be the next letter in the alphabet after A Be Ce De)
Text of the end dof second part reads:
bin ich schaf ein | scheff ein ich bin | ein bin ich schaff | ich bin schiff ein | ich schaff ein bin | ein schof bin ich | schaf ein bin ich | bin schuf ein ich | schaf bin ich ein | bin ich ein scheff | ich ein bin schaff | ein ich bin schiff | ein bin schaff ich | schof bin ein ich |bin schaf ich ein | ich ein schuf bin | ich bin ein schaf (I am a Scheep) | bin ich ein scheff | ein ich schaff | bin schiff ich bin | ein ich schaff bin |

The congregation’s singing is accompanied during the last chant by the organist in the typical folk way that congregational songs are accompanied during the service.
The phrase „I am a sheep“ is heard in the harmonic and dynamic climax.



Der vierte Teil wird von Publikum improvisiert. Es dauert so lange, solange die Individuen, die es spielen wünschen.

In der Praxis heißt es: wenn einer von 100 Menschen im Publikum es wünschte eine Stunde lang zu spielen, würde das Stück erst nach eine Stunde enden. Die 99 restliche Individuen könnten entweder mitmachen, es abwarten, bleiben oder gehen. Sie könnten über sich selbst, die Gestaltung des Stückes und des Abends, bewusst entscheiden.



The fourth part is improvised by audience. It lasts as long as the individuals who play it wish.
In practice, if one out of 100 people in the audience wished to play for an hour, the piece would end only after an hour. The 99 remaining individuals could either join in, wait it out, stay or leave. They could consciously decide about themselves, the design of the play and the evening.


„Aue“ – Konzeptstück

Das Stück „Aue“ als Mitmach-, Ergebnisstück ist ein Resultat eines künstlerischen Konzepts, der aus einer Beobachtung abgeleitet wird, dass der Mensch ein fantasievolles Wesen ist, dessen Dasein von mehr oder weniger bewussten Wirklichkeiten der ökonomischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen,phantasmatischen1, ideologischen und religiösen Systeme bestimmt wird.

Der Mensch ist in Glaubenssystemen gefangen, auch dann, wenn er behauptet es nicht zu sein.

Die Orgel brachte mich zur Auseinandersetzung mit dem Thema, Religiosität und Spiritualität.

In der Coronapandemie, in der Zeit, in der das Stück komponiert wurde, habe ich die allgegenwärtige Sehnsucht der Menschen nach Gemeinschaft, Glaube und Spiritualität sehr deutlich bemerkt.

Ich habe mich auf die Suche nach den von Nitsche nicht getöteten Götter2 begeben, denen Menschen tatsächlich dienen und denen sie eigenes Leben opfern.

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass Menschen wohl den „Göttern“ huldigen und sogar sich selbst denen versklaven und aufopfern, meistens dann, wenn sie die nicht benennen und von deren Existenz sie nichts wissen, nicht wahrnehmen oder sogar verweigern.

Für mich ist es wichtig, als bewusster Mensch, sich eine Frage zu stellen:

Welchen „Göttern“ und Ideen dienen diene ich? Daraus ergibt sich eine nächste Frage. Tue ich es bewusst, oder werde ich von kollektiven, Glaubensvorstellungen mitgetragen?

Ich habe mit meiner künstlerischen Gesprächspartnerin, einer in Norwegen lebenden bildenden Künstlerin Weronika Haber ein Konzept, eine eigene quasi Religion entwickelt: Das Konzept sagt: Es gibt 4 Götter, die in der Welt und in den Seelen der Menschen regieren. Wenn jemand denen nicht huldigt, wird im Leben bestraft. Die Religion beschäftigt sich damit, wie durch Überlistung der herrschenden Gottheiten, mit symbolischen Gebeten und Opfergaben zu erreichen wäre, Leben denen nicht huldigen zu müssen. Damit man frei ist, den Göttern und Werten zu dienen, die man selber wählt und mag. Die Monotheistische Götter versuchten immer die VIER zu bekämpfen, doch wie wir aus der Geschichte der Menschheit lernen konnten, der offene Kampf mit dem Stärkeren, stärkt den Starken noch mehr, anstatt den zu Schwächen. Dazu muss man bedenken, dass vor allem die Monotheistische Religionen in der praktischen Umsetzung, fern von dem theologischen Diskurs, von Macht, Geld, Sucht und Trieben beherrscht sind, was sie selber zu Untergang eigener Werte und Glaubwürdigkeit führt. Das Ziel der „Religion der Vier Götter“ ist der Versuch, sich denen zu entziehen, jedoch anders als es bis jetzt versucht wurde.

Die weibliche, mütterliche Lösung wäre nicht offen zu kämpfen, sondern sehen, akzeptieren, mit süßen „Bonbons“ bestechen und sanft und unmerklich zu überlisten.


Die VIER Götter sind:

Mamon – das Geld

Power – die Macht

Spirit – die Süchte

Babalon – der sexuelle Trieb

Das Stück ist meine konzeptuelle Huldigung den Göttern, es ist eine Affirmation in dem die versteckte Lobpreisungen wiederholend, wiederholt und permutiert werden, sodass keiner von den Vieren sich vernachlässigt fühlen könnte. Die Götter sind nämlich nicht barmherzig, sondern eifersüchtig und rachsüchtig.

Ich verfolgte eine psychologische Idee, dass der Mensch sich durch fantastisches Spiel (wie eine Erfindung der Götter und Rituale) von unbewussten Zwängen und Vorstellungen befreien könnte.

Das Stück ist für mich ein religiöses Spiel, bei dem ich bewusst bin, dass ich spiele, jedoch an die Wirkung des Spiels für meine Psyche glaube. Sprache der Fantasie, der Träume und Spiele scheint mir der einzige Weg zu Veränderung des Unterbewusstseins/ Unbewusstseins/ Nichtbewusstseins und Kommunikation mit den schwer erreichbaren Tiefen der Seele. Ich habe das Stück als „Gebet“ komponiert, damit meine Psyche weniger mit den VIER kämpfen muss, sondern sich in Ruhe dem Dienst anderer Götter, wie z.B. Kunst, Liebe, humanem Menschen und seinem idealen Gott, widmen kann.


„Aue“ – concept piece

The piece „Aue“ as a participatory, result piece is a result of an artistic concept derived from an observation that man is an imaginative being whose existence is determined by more or less conscious realities of economic, economic, social, phantasmatic1, ideological and religious systems.
Man is trapped in belief systems, even when he claims not to be.
The organ brought me to the examination of the subject, religiosity and spirituality.
In the corona pandemic, during the time when the piece was composed, I noticed very clearly the omnipresent longing of people for community, faith and spirituality.
I set out in search of the gods2 not killed by Nitsche, whom people actually serve and to whom they sacrifice their own lives.
I have come to the conclusion that people probably pay homage to the „gods“ and even enslave and sacrifice themselves to them, mostly when they do not name them and of whose existence they know nothing, do not perceive or even deny.
For me it is important, as a conscious human being, to ask myself a question:
What „gods“ and ideas do I serve? From this comes a next question. Am I doing it consciously, or am I being carried along by collective, beliefs?
I have developed a concept, my own quasi religion, with my artistic interlocutor, a visual artist living in Norway, Weronika Haber: The concept says: There are 4 gods that rule in the world and in the souls of people. If someone does not pay homage to them, he will be punished in life. The religion deals with how by outsmarting the ruling deities, with symbolic prayers and offerings could be achieved, life not to have to pay homage to them. So that one is free to serve the gods and values which one chooses and likes oneself. The monotheistic gods always tried to fight the FOUR, but as we could learn from the history of mankind, the open fight with the stronger, strengthens the strong even more, instead of weakening the one. In addition one must consider that above all the monotheistic religions in the practical conversion, far from the theological discourse, are dominated by power, money, addiction and drives, which leads them even to ruin of own values and credibility. The goal of the „Religion of the Four Gods“ is the attempt to escape from these, but in a different way than it has been tried so far.
The feminine, maternal solution would be not to fight openly, but to see, to accept, to bribe with sweet „candies“ and to outsmart gently and imperceptibly.

The FOUR gods are:
Mamon – the money
Power – the power
Spirit – the addictions
Babalon – the sexual drive

The piece is my conceptual homage to the gods, it is an affirmation in which the hidden praises are repeated, reiterated and permuted so that none of the FOUR could feel neglected. Indeed, the gods are not merciful, but jealous and vengeful.
I pursued a psychological idea that through fantastic play (like an invention of the gods and rituals) man could free himself from unconscious constraints and ideas.
The play for me is a religious play, where I am aware that I am playing, but believe in the effect of the play for my psyche. Language of imagination, dreams and games seems to me the only way to change the subconscious/unconscious/unconscious and communicate with the hard to reach depths of the soul. I composed the piece as a „prayer“ so that my psyche would have to struggle less with the FOUR and could devote itself in peace to the service of other gods, such as art, love, humane man and his ideal god.


1Begriff nach Jascues Lacan

1Concept according to Jascues Lacan

2Wenn ich das Wort Gott oder Götter benutze, gehe ich von einer symbolischen Bedeutung aus. Ich benutze den „Gott“ im Jungischen Sinne, als psychische Realität und Konzept.

2When I use the word God or gods, I assume a symbolic meaning. I use „God“ in the Jungian sense, as a psychic reality and concept.

Ein Kommentar

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